Die Schande der Umverteilung

Wenn die Reichen vom Tisch der Reichen etwas weiterreichen

Sozialmarkt und Wiener Tafel sind sozialpolitische Maßnahmen. Sie sollen den Armen wenigstens ein wenig von dem geben, was so übrig bleibt. So hervorragend die Intention der Soma-Märkte auch sein mag, so wenig nimmt sie Rücksicht auf die damit verbundenen Um- und Zustände.

Armut zu bekämpfen, indem Almosen vom Tisch der Reichen hinabgereicht werden an die „Ärmsten“ ist und bleibt eine Schande. Umso mehr, wenn die Rahmenbedingungen stigmatisierend sind. „Armenausweis“, Anstellen wie in Kriegszeiten, zugeteilte Rationen haben nichts mit sozialer Umverteilung zu tun.

Keine Meilensteine sondern Armutszeugnisse

Prof. Marin als Sozialexperte lobt in einem Standard-Artikel die Soma-Märkte ebenso wie die Wiener Tafel. Beide sind wichtige Einrichtungen, weil es keine anderen gibt, die armen und armutsgefährdeten Menschen zur Verfügung stehen.

Besser machen ist möglich

Dass es allerdings auch besser geht, beweisen Projekte wie in einer Gemeinde wie Kapfenberg, wo „sozialer Markt“ integriert ist in den „ganz normalen Markt“. So wenig Stigmatisierung wie möglich ist die Devise. So lange Reichtum keine Schande ist, darf es Armut auch nicht sein.

Dass es tatsächlich bessere und gerechtere Modelle der Umverteilung gibt, wissen alle in der Armutsbekämpfung Tätigen – nur Herr Prof. Marin nicht?

Aus: Sozialer Lebensmittelladen Kapfenberg/Steiermark

In Kapfenberg wurde im Juli 2008 ein sozialer Lebensmittelmarkt eröffnet, der sich jedoch grundlegend von den Sozialmärkten in Österreich unterscheidet. Für Personen mit geringem Einkommen besteht die Möglichkeit, mit einer Chipkarte – ähnlich der KundInnenkarten von anderen Ketten – Lebensmittel (auch Sonderangebote) um bis zu 60 % günstiger einzukaufen. Die Einkommensgrenzen wurden hierfür jenen der AktivCard angepasst. Zu diesen günstigen Einkaufskonditionen kommt ein volles Warensortiment hinzu, wodurch eine reiche Auswahl an Produkten zur Verfügung steht. Dieser neue Lösungsansatz im Zugang der Zielgruppe und im Angebot wirkt Stigmatisierung entgegen, da auch Personen mit höherem Einkommen eine Chipkarte erhalten, die wie eine normale KundInnenkarte verwendet werden kann (Punktesammelsystem).

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