Mit hohem Tempo an die Wand – der Pensionskampf blüht auch im Sommerloch

Die „Drohung“ der ÖVP, dem leidigen Pensionsthema jetzt scharfes Tempo zu verordnen, ist kein Sommerlochfüller. Jetzt Öl ins Feuer zu gießen, macht den politischen Sommer noch heißer als er schon ist.

Seit Jahren werden Pensionen nur dem Index entsprechend angeglichen. Das reicht in vielen Fällen gerade, um an der Armutsgefährdung vorbeizuschrammen.

Seit Jahren verlangt die ÖVP – und das immer massiver – daß das Frauenpensionsantrittsalter zügigst angehoben werden soll und nicht in moderaten Schritten. Selbst die moderate Anhebung widerspricht dem Vertrauensgrundsatz. Denn Menschen sind in ein Erwerbsleben eingetreten, in dem sie selbst durch ihre Pensionsbeiträge dazu beigetragen haben, sowohl das eigene Alter wie auch das der folgenden Generationen zu sichern. Dass ihnen nationale und Weltwirtschaft dabei ein Schnippchen schlagen könnten, damit konnten sie nicht rechnen. Sie haben sich darauf verlassen, dass ein Gesetzgeber hält, was er verspricht.

Zeiten ändern sich und das sehr schnell

Frauen sind auf dem Arbeitsmarkt besonders oft benachteiligt. Sie leisten über Jahre und immer wieder unbezahlte gesellschaftliche Arbeit. Mit ihren Gehältern und Löhnen hinken sie hinterher. Mit immer mehr Teilzeitjobs verlieren sie immer mehr Sicherheiten, nach dem Austritt aus dem Erwerbsleben von ihrer Penionsleistung leben zu können.

Wer das Frauenpensionsalter jetzt „zügig“ und nicht moderat und verträglich anhebt, macht genau das, was eine moderate Anhebung noch mildern kann – den Anstieg der Arbeitslosenrate. Zum Vergleich: waren es 2013 5,9 Prozent Frauen zwischen 55-64 Jahren, die arbeitslos waren, sind es im 1. Quartal 2015 bereits 7,8 Prozent.

Arbeitslosigkeit ist ein Verlustgeschäft für eine Volkswirtschaft, das müßte gerade eine ÖVP als Wirtschaftspartei am besten wissen. Sie verursacht Armutsgefälle, senkt die Kaufkraft, läßt die Sozialkosten steigen. Frauen länger im Arbeitsprozess zu halten, funktioniert nur dann, wenn bereits ab dem 45. Lebensjahr umfangreiche Maßnahmen getroffen werden, um Frauenarbeitsplätze zu sichern und weiterzuentwickeln.

Sie sind diejenigen, die aufgrund ihrer Berufskarriere mit oft unzureichender Aus- und Fortbildung nach häufig jahrelanger Berufsunterbrechung auf der Strecke bleiben und ab diesem Alter bereits damit rechnen müssen, zwischen verschiedensten Maßnahmen, Krankenständen, Arbeitslosenzeiten, Notstandhilfezeiten hin- und hergeschoben zu werden. Ohne Aussicht auf eine Pensionsleistung, die zum Überleben reicht, wenn sie dann endlich endlich in Pension gehen können.

P.S. für das Stammbuch der ÖVP: Damit sinken auch die Transferleistungen der älteren Frauen, die mit ihren Pensionsleistungen ihre Kinder und Enkelkinder unterstützen. Und so weiter und so fort.

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