Man weiß, was die Leute brauchen…

wenn sie Pflege und Betreuung brauchen. Dass das Pflegesystem an vielen Ecken und Enden und mittendrin gravierende Mängel hat und das je nach Bundesland noch einmal verschieden, ist bekannt. Dass man nicht weiß, was die Pflegebedürftigen und ihre pflegenden Angehörigen brauchen, ist eine gängige Behauptung. Man weiß sehr wohl, wenn man es wissen will. Die veröffentliche WIFO-Studie läßt so einiges vermissen.

Menschen, die Pflege und Betreuung brauchen, werden in Wien, das pro Pflegefall den größten finanziellen Aufwand hat, seit langem durch sogenannte Stützpunkte unterstützt. Sie stellen den Pflege- und Betreuungsaufwand fest. So weit so gut. Wie allerdings die Durchlässigkeit des Systems aussieht, um im Bedarfsfall eine nahtlose und effiziente Betreuungssituation vom Krankenhaus weg bis in die häusliche Situation zu schaffen, ist immer noch Stückwerk und wird es so lange bleiben, so lange es keine anderen Formen von systematisierten – und damit auch kosteneffektiven – „Einsatzkräften“ gibt, die gemeinsam mit den Betroffenen und deren Angehörigen und Zugehörigen das Case- und Care-Management gewährleisten. Und das nicht nur einmal sondern permanent.

Eine der seit Jahrzehnten bestehenden Forderungen nach einer sogenannten „Community Nurse“ – einer Grätzelschwester/einem Grätzelbruder, die den gesamten individuellen Pflegeprozess langfristig und kontinuierlich begleitet und betreut, ist bis heute nicht erfüllt und schon gar nicht umgesetzt. Sie/er können sehr gut gemeinsam mit den Betroffenen und deren Umfeld ermitteln, was wirklich gebraucht wird, wie organisiert wird anstatt im Stückwerk der verschiedensten Leistungsangebote herumzuirren.

Ein Thema,das die WIFO-Studie über öffentliche Pflegedienstleistungen nicht erwähnt, ist die 24-Stunden-Betreuung und deren Voraussetzungen auf der Anbieterseite. Daß hier ein Markt entstanden ist, der sich krakenartig ausbreitet und bisher zu seltsamen Auswüchsen führt, zugleich aber einen immer größeren Finanzierungsbedarf nach sich zieht, bleibt im Dunklen. Hier Transparenz zu schaffen im Sinne aller daran Beteiligten, ist ein Gebot der Stunde.

Es geht also neben der dringend erforderlichen Einheitlichkeit von Finanzierung und Leistungen für alle Bundesländer noch um viel mehr, um den Pflege- und Betreuungsbedarf in Österreich nicht nur transparent finanzieren zu können, sondern auch um die tatsächlichen Bedürfnisse zu befriedigen. Und das mithilfe des Pflegefonds und Steuermitteln, die aus bekannten Forderungen nach Versteuerung von Vermögen etc. zweckgewidmet dafür gewonnen werden. Denn Pflege und Betreuung geht uns alle an. Auch ohne einer Pflegepflichtversicherung.

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