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Armes Leben – armes Alter?

Die unsichtbare Armut

Wer arm ist, weiß es oft genug nicht. Weil Armut von den anderen definiert wird.

Ein Blick in die Shoppingwelt, in die Lokale lässt Staunen aufkommen. Gerammelt voll, überall Menschen, die offenbar nicht zu den Armen im Land zählen.

Sind „wir“ wirklich arm? Was ist mit denen, die shoppen oder in Lokalen sitzen?

Armutsdebatten an diesen Punkten zu beginnen, ist verhängnisvoll. Niemand weiß genau, ob und mit welchem Geld tatsächlich eingekauft wird, wenn überhaupt eingekauft wird. Mit welchem Kreditrahmen wer versucht, wenigstens ein Stück vom angeblichen Glück zu erwischen.

Armut ist relativ. Manifest ist sie dann, wenn die unterste Grenze erreicht ist. Derzeit sind es 492.000 Menschen in Österreich. Wer von der kommenden Mindestsicherung leben muss, erst die/der ist arm. Da geht dann wenig oder nichts mehr. Und Mensch verschwindet im Unsichtbaren.

Die Diskussionen um Armut drehen sich im Kreis. Sie treffen alle Altersgruppen und das mit voller Wucht. Mindestsicherungen mit 744 Euro monatlich sind (mit allen mühsamst zu erreichenden sozialen Transferleistungen wie Heizkostenzuschuss, Wohnbeihilfe etc.) der Weg in die manifeste Armut. Noch dazu, wenn sie nicht 14x (wie gefordert) im Jahr ausbezahlt wird, sondern nur 12x.

950 Euro, wie Karl Öllinger sie verlangt, klingen mehr. Und sie sind dennoch für die meisten Betroffenen immer noch gerade genug zum Überleben. Miete, Energiekosten, Ernährung, Bekleidung, öffentlicher Verkehr und dann ist der Alltag auch schon zu Ende. 950 Euro statt 744 kosten im öffentlichen Budget maximal 760 Millionen Euro mehr im Jahr. Sie bringen mehr als sie kosten. Konsum, Gesundheitsförderung, weniger Ausgaben für soziale Transferleistungen und und und. Es ist ein einfaches Tauschgeschäft, sonst nichts.

Ältere Menschen haben sichere Pensionen und brauchen weniger. Weniger wovon?

Wer sich auf die staatliche Pensionsleistung verlassen hat, steht immer in der Gefahrenzone zum Ärmerwerden. Wer sich auf private Vorsorge verlassen hat (und keine guten Finanzberater hatte), ist schon verlassen worden. Wer sich über Firmenpensionen gefreut hat, muss um das Überleben „seiner“ Firma zittern. Wer in geregelte Pensionskassen einzahlt, kann nicht aus ihnen aussteigen, selbst wenn sie/er möchte. Verfügungsgewalt über die Beiträge haben sie nicht.

Alle Anmerkungen über hohe Pensionen, hohen Lebensstandard der PensionistInnen treffen – wie immer wenn es um den Reichtum geht – nur eine marginale Gruppe von alten Menschen.

Mehr wird sie nicht, die sichere Pension. Auch dann nicht, wenn sie erhöht wird. Sie wird weniger.

Die schleichende Entwertung schleicht heimlich herbei. Da eine kleine Erhöhung von Rezeptgebühren, dort der Wegfall von Krankenkassenleistungen (und erst recht, wenn es um Gesundheitsförderung und Krankheitsverhinderung geht), dazu braucht es keine „Steuererhöhungen“. Der blanke Alltag reicht durchaus.

Altersarmut hat einen tiefen Haken: sie ist kaum behebbar. Zuverdienstmöglichkeiten gibt es nur für die Wenigsten. Erspartes wird nicht mehr, das Glücksspiel in der Trafik bringt dem Staat viel Geld, für die SpielerInnen bleibt die Hoffnung auf den Gewinn am Sankt-Nimmerleinstag.

Die ernsthafte Auseinandersetzung mit Armutsbekämpfung heißt: für sozialen Ausgleich sorgen, entfallene Pensionsleistungen wie bei den Firmenpensionen mit staatlichen Mitteln ausgleichen (statt im Budgettopf zu horten) anstatt Banken zu retten.

Wer daheim bleiben muss, wer an Strom, Heizung und Kommunikationsmöglichkeiten sparen muss, wer sich Kinobesuche „ersparen“ muss und nur mehr die Gratiszeitungen lesen kann, ist armutsgefährdet – in jeder Beziehung. Nichts darf mehr kaputt gehen, alles muss ewig halten, tut es aber nicht…

Das Geheimnis ist leicht zu lüften: zu sehen sind die, die es sich noch leisten können. Die, die in der Öffentlichkeit kaum noch auftauchen, sind unsichtbar arm.

Mehr zum Thema Armut unter:

http://www.zeropoverty.at

http://www.armutskonferenz.at

http://gegen.armut.at/hintergrund.php