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„In anderer Sache…“

Dass Kinder ihre Eltern pflegen, ist weitgehend unbekannt und unerkannt. Seit einigen Monaten bemühen wir uns darum, dieses Thema, das Kinder aller Altersgruppen trifft, bekannt zu machen.

Dieser Artikel wird in verschiedenen Publikationen erscheinen, um Menschen darauf aufmerksam zu machen, dass pflegende Kinder zumeist ohne Unterstützung und Hilfe sind. In einer Situation, in der sie sie dringend brauchen würden, wenn wir sie nur kennen würden… Eine Ö1-Sendung am 21. 12. 2010 von Isabelle Engels hat auch via Radio einen wichtigen Beitrag dazu geleistet.

Ist da niemand?

Wenn Papa oder Mama krank werden, sind Kinder – egal ob sie 5, 10 oder 15 Jahre alt sind, oft genug diejenigen, die unbemerkt und ohne Unterstützung die Betreuung und Pflege übernehmen. Ihr Alltag wird neben Schule und Ausbildung von Belastungen überschattet, von denen oft nur die engsten FreundInnen wissen.

Sie machen, was zu tun ist und so gut es ihnen möglich ist. Erledigen Wege, gehen einkaufen, kochen, bringen Medikamente, räumen auf, trösten – und verbergen ihre eigenen Ängste. Die Angst, nicht zu wissen, wie es weiter geht, was mit ihnen und ihren Eltern geschieht – und die Angst, zu versagen.

Pflegende Kinder sind keine Ausnahmen oder verschwindende Zahl von Extremfällen. Pflegende Kinder leben oft genug im Verborgenen, nebenan. Sie werden nicht gesehen, weil sie versuchen, alleine mit dieser schwierigen Situation zu Recht zu kommen.

„Sie werden nicht zu Euch kommen“, sagt Nicole Ortner, die in ihrer Diplomarbeit „Krebs – was ist das? Young carers kindergerecht informieren“ die Situation beleuchtet. In Deutschland ist derzeit die Rede von ca. 200.000 betroffenen Kindern.

Sie brauchen vieles und verlangen kaum etwas. Sie sind manchmal auch stolz darauf, dass sie es „schaffen, Mama oder Papa zu helfen“. Sie brauchen aber auch Hilfe und Unterstützung von außen, Informationen über die Krankheit, praktische Anleitung für den Betreuungs- und Pflegealltag und Menschen, die ihnen zur Seite stehen, auf die sie sich verlassen können.

Die Interessengemeinschaft pflegender Angehöriger will in Österreich pflegenden Kindern eine Stimme geben. Gemeinsam mit Kinder- und Jugendorganisationen, LehrerInnen, ÄrztInnen, Pflege- und Betreuungspersonal und anderen Kindern auf sie zugehen und ihnen Hilfe anbieten. Ihnen in sozialen Netzwerken wie dem Internet Möglichkeiten schaffen, nicht alleine und im Verborgenen zu bleiben.

Weil es nicht sein darf, dass da niemand für sie ist… wir sind da!

Birgit Meinhard-Schiebel
Präsidentin der Interessengemeinschaft pflegender Angehöriger
1040 Wien, Wiedner Hauptstraße 32
Tel.: +43 (1) 58 900 DW 328, office@ig-pflege.at
http://www.ig-pflege.at

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